Wenn Gedanken und Ablenkungen zum Lernhindernis werden

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… ich verhaue es ja eh…

… es kommen eh immer andere Fragen dran…

… ich schreib ja eh wieder ne fünf…

… ach ich mach erstmal noch schnell …

… dafür kann ich eh nichts lernen…

… Mathe kann ich halt einfach nicht…

 

Kommen Dir solche Gedanken bekannt vor? Zahlreiche Lernerfahrungen prägen unser Verhalten und unsere Einstellung zum Lernen. Insbesondere schwierige Situationen und negative Lernerfahrungen prägen sich stark in unser emotionales Gedächtnis ein. Zum Glück ist unser Gedächtnis sehr flexibel und lässt sich trainieren und verändern – man nennt das Plastizität.

Anstatt Dich nun in Deinen negativen Gedanken und Erinnerungen zu verlieren, kannst du versuchen, die Wandelbarkeit deines Gedächtnisses zu nutzen und zu trainieren, indem du nach Lösungen suchst, wie du zukünftig mit lernhinderlichen Gedanken umgehen kannst.

 

Wie Du das selbst oder wie Ihr als Eltern das mit euren Kindern üben könnt:

 

Schreibe eine Woche die lernhinderlichen Gedanken und auch alle weiteren Ablenkungen auf.

 

Kleine Ablenkungen wie ständig auf das Handy schauen, Facebook checken, Whats-App, Instagram etc. lassen sich unkompliziert und einfacher verändern – Handy aus oder in die Tasche oder in einen anderen Raum.

 

Mit den Gedanken ist es schwieriger, aber wie oben schon beschrieben mit Übung genauso möglich.

 

1. Schau Dir deine Gedankensammlung am Ende einer Woche an.

- Was fällt Dir auf?

- Gibt es Gedanken, die immer wieder kommen? Ähnliche Gedanken?

- Hat sich der Gedanke schon mal bewährt, also ist er wahr? Und wie ist die Situation dann ausgegangen?

 

2. Im nächsten Schritt überlegst Du dir Folgendes:  

- Wenn der Gedanke wahr wird – was wäre das Schlimmste was passieren könnte? Und welche Lösung gäbe es dann dafür?

- Wenn ich in der Situation bin, welche Möglichkeiten habe ich damit umzugehen? Welche Lösungen gibt es dann?

- Wer kann mich unterstützen? Wen kann ich einbeziehen?

- Denke an Situationen, in denen Du erfolgreich warst!

Schreibe Dir diese Erfolgsmomente auf eine große Karteikarte und hänge sie sichtbar über deinen Schreibtisch.

 

3. Nun überlegst Du dir, wie Du nun konkret mit solchen Gedanken und Ablenkungen während einer Lernsequenz umgehen kannst: 

 

- Du kannst zum Beispiel „Wenn… Dann… Pläne“ machen… (vgl. Rietzler/Grolimund)

 

Im leichteren Handy-Fall:

„Wenn ich das nächste Mal auf mein Handy schaue, dann stelle ich den Flugmodus ein“

 

Bei Gedanken in Bezug auf die Prüfung:

 

„Wenn ich denke ich schaffe das eh nicht, denke ich an Situationen, in denen ich erfolgreich war und ich etwas erreicht habe“.

 

4. Aus der Achtsamkeitspraxis gibt es zusätzlich noch diese kleinen Übungen, die die Gedankenspirale unterbrechen können: 

 

Schließe die Augen und konzentriere dich einige Minuten auf deinen Atem. Atme sieben Sekunden ein und 11 Sekunden aus. Das beruhigt deine Gedanken. Wiederhole diese Übung einige Male.

 

Oder:

 

Wenn ein Gedanke kommt, dann nimm diesen wahr und schicke ihn weiter. Schließe die Augen und stell dir vor wie Du den Gedanken auf ein Blatt legst und dieses einen langen Fluss hinuntergleiten lässt.

 

Oder:

 

Schließe deine Augen und nimm für einen Moment war wie Du atmest, wie Du sitzt. Wie fühlen sich deine Arme, deine Beine an? Wie ist deine Stimmung? Wo merkst Du deinen Atem am meisten.

Mache diese kleine Übung etwa 5-7 Minuten.

 

All diese Übungen brauchen Zeit und mehrmaliges Ausprobieren und dranbleiben. Lass dich also nicht entmutigen, wenn es nicht gleich klappt, bleib dran, mit Geduld.

 

Ich wünsche Euch viel Erfolg beim Ausprobieren und bin für Fragen immer erreichbar. 

 

 

  

Quellenangaben im Text: 

 

- Rietzler/ Grolimund (2018): Clever Lernen. Hogrefe Verlag.