100% sind zu viel... mit eigenen Ansprüchen und Stress umgehen

Mach es perfekt. Mach es allen recht. Mach schnell. Sei stark. Streng dich an. Das sind die sogenannten Antreiber und wir kennen alle unsere eigenen Antreiber wahrscheinlich ziemlich gut.

 

(Es gibt auch einen tollen Test dazu, zum Beispiel hier: 

https://www.studentenwerk-oldenburg.de/de/allgemeines/downloads/psychologische-beratung/349-selbsttest-innere-antreiber/file.html ) 

 

In stressigen Momenten zeigen diese sich besonders gern. Und die momentane Ausnahmesituation ist eine stressige und herausfordernde Situation für alle. Somit sind wir nun mal momentan in einer gewissen Grundanspannung und wir müssen vielleicht mehr als sonst dafür tun aus dieser herauszukommen auf ein einigermaßen normales Niveau.

 

Unser Gehirn greift in Stress-Situationen auf drei Systeme zurück: Alarm, Antrieb und Fürsorge.

 

Im Alarmsystem geht es um Bedrohung, Kampf, Flucht und Erstarrung. Wir möchten in diesem Zustand nur eins erreichen: Sicherheit.

 

Das Antriebssystem ist auf Erfolg, Leistung, Streben nach Besitz, Konsum und Erfolg ausgerichtet, aber auch auf Wachstum, Neugier und das Erforschen. Wir wollen eins: Gesättigt sein mit allem.

 

Beide Systeme sind in der aktuellen Situation absolut am Dauerbrennen. Manchmal unbewusst, aber meist spüren wir es auch ganz deutlich mit Verspannungen, Magenschmerzen oder Kopfschmerzen, starken Gefühlen.

 

Um diese beiden Systeme herunterzufahren benötigt es das dritte, ausgleichende System:

Das Fürsorge-System, das für Erholung, Freundlichkeit und Fürsorge sorgt.

 

Dabei unterstützen zum Beispiel folgende Fragen: 

 

Wofür möchte oder muss ich im Moment meine Zeit aufwenden?

Wo kann ich von meinen eigenen Ansprüchen loslassen?

Was braucht mein eigenes Fürsorge-System?

 

Alle drei Regulationssysteme sind wichtig, aber wir müssen für ein Gleichgewicht sorgen.

 

Zurück zu den Antreibern – unsere elterlichen Antreiber übertragen wir auf unsere Kinder und treiben auch diese weiter an als es vielleicht eigentlich notwendig wäre.

 

Zu dem Stress von außen durch die aktuellen Bedingungen, die auch für die jungen Leute eine Sorge sind/ Unbehagen und Stress auslösen. Wir kommen immer mehr in die Alarm- und Antriebssyteme (Stress-Systeme).

 

Was kann helfen?

Beobachten Sie als Eltern ihr eigenes Verhalten und Reaktionen und fragen Sie sich: 

 

Was treibt mich gerade selbst an?

Was will ich lehren?

Wie kann ich mein Anliegen anders vermitteln, um ins Gespräch zu kommen. (z-B. Was brauchst du von mir, um die Aufgabe zu erledigen?)

 

Sind die Schulaufgaben/ Lernthemen es wert, noch mehr Stress bei Ihnen selbst oder ihrem Kind auszulösen?

Gehen Sie selbstfreundlich mit sich um – sie wuppen gerade ganz schön viel.

Sie müssen nicht die Lehrer-Rolle zu 100% ausfüllen und auffangen. 

 

Sollten es zu viele Aufgaben und Anforderungen an ihr Kind sein und Sie sehen, dass es aber arbeitet und alles versucht, bleiben Sie im Gespräch mit den Lehrern. Auch für die Lehrer ist das eine neue Situation, sie befinden sich in den gleichen Stress-Systemen und sind Ihnen sicherlich über konstruktive und wertschätzende Rückmeldungen dankbar. 

 

Quellen: Mangold, Jörg: Wir Eltern sind auch nur Menschen - Selbstmitgefühl zwischen Säbelzahntiger und Smartphone, Arbor Verlag: Freiburg.